Georg Büchner

Dantons Tod

Ein Drama

Schauspiel

Premiere am 27.09.2013
Spielstätte Kammerspiele

Dauer 1 Std. 45 min.


Diese Produktion steht leider nicht mehr auf dem Spielplan.

 

 

Stückinfo

Frankreich, März 1794, fünf Jahre nach dem Sturm auf die ­Bastille: Der entmachtete Adel und Klerus rüstet erneut auf, die Guillotine arbeitet pausenlos für die Republik und gegen die Konter­revolution. Aber für das Volk, das 1789 gegen Armut und Unterdrückung auf die Straße gegangen ist, hat sich nichts geändert. Der revolutionäre Augenblick, in dem eine grundsätzliche gesellschaftliche Veränderung möglich schien, ist verstrichen. Terror und Macht­streben sind wieder an der Tagesordnung. Ist die Revolution bereits gescheitert? Diese Frage spaltet die Jakobiner und ihre patriotischen Helden-­Ikonen Georges Danton und ­Maximilien de Robespierre. ­Danton erkennt, dass die egoistische Natur des Menschen der Vollendung einer Revolution entgegensteht und fordert das Ende des Tötens. „Die Revolution muss aufhören, und die Republik muss anfangen.“ Robespierre hingegen sieht im Ende des Terrors einen vorzeitigen Abbruch der Revolution, deren Ziele nicht erreicht sind, solange die Verhältnisse ungleich sind. Danton, der sich dem Fortschritt der Gesellschaft durch Stillstand in den Weg stellt, muss ausgeschaltet werden ...
Gießen, März 1834: Georg Büchner schreibt kurz vor seiner Flucht aus Deutschland, an seine Verlobte: „Ich studiere die Geschichte der Revolution. Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem gräßlichen Fatalismus der Geschichte. Ich finde in der Menschennatur eine entsetzliche Gleichheit, in den menschlichen Verhältnissen eine unabwendbare Gewalt, Allen und Keinem verliehen. Der Einzelne nur Schaum auf der Welle, die Größe ein bloßer Zufall, die Herrschaft des Genies ein Puppenspiel, ein lächerliches Ringen gegen ein ehernes Gesetz, es zu erkennen das Höchste, es zu beherrschen unmöglich.“ Seine Worte drücken einen tiefen Zweifel an der Möglichkeit des Einzelnen aus, in die Geschichte als Handelnder einzugreifen. Nicht der Mensch macht Geschichte, sondern die Geschichte macht den Menschen, oder wie er 1835 in seinem ersten veröffent­lichten Theaterstück Dantons Tod schreibt: „Wir haben nicht die ­Revolution, sondern die Revolution hat uns gemacht.“
Heute, 200 Jahre nach Büchners Geburt und rund 220 Jahre nach der Französischen Revolution, gehören Ungleichheit, Bürokratie, Pragmatismus, Macht, Intoleranz und Terror mehr denn je zum demokratisierten und ökonomisierten republikanischen Alltag. Grundsätzlicher Zweifel scheint ausgedient zu haben und wird bestenfalls auf der Unterhaltungsoberfläche von Talk-Shows kredenzt. Warum sind wir so sicher, dass unsere Gesellschaftsordnung die beste aller möglichen ist? Wer sich diese Frage stellt, stellt vieles in Frage: Wie jetzt, ein Umbruch oder was? Uns geht es doch gut.

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